
von Georg Giersberg
Die Unternehmensgründer Tycho Singer und Joachim Bangert verwalten inzwischen 500 Millionen Euro
Sprunghaft ist ihre Firma nicht gewachsen. Überrascht von ihrem eigenen Erfolg sind Tycho Singer und Joachim Bangert dennoch. Inzwischen verwalten sie ein Finanzierungsvolumen von 500 Millionen Euro. "Eine halbe Milliarde Euro", staunt Singer noch immer über die Größe, die ihr Unternehmen Auxilion AG in Heppenheim an der Bergstraße innerhalb der vergangenen acht Jahre angenommen hat. Die Gefahr, dass so viel Geld sinnlich und leichtsinnig machen könnte, bestehe aber nicht. "Wir bekommen ein Honorar für die Systemeinführung, nicht für die Geldanlage", sagt Mitvorstand Joachim Bangert.
Das System und vor allem die dazugehörige Software haben sie selbst entwickelt, das System zur betrieblichen Altersvorsorge mit der Geldanlage im Unternehmen des Arbeitnehmers. Gerade in Zeiten, in denen viele Menschen mit großer Sorge auf ihre Altersvorsorge blicken, weil sie von der Entwicklung an den Börsen abhängig ist, könnte die Auxilion mit ihrer Idee großen Zulauf bekommen. "Unser System kommt ohne Sterbetafeln, ohne Inflationsentwicklung, ohne Börsenkurse und ohne Gehaltssteigerungen aus", sagt Bangert. "Es zählt nur die Laufzeit, der Einzahlungsbetrag und der Zinssatz, mehr nicht." Es ist eigentlich eine Art Sparvertrag mit festem Zins.
Der Mathematiker Bangert, der sich schon im Rahmen seiner Examensarbeit mit der Idee eines Altersvorsorgesystems beschäftigt hatte, suchte nach einer Vorsorge, die ohne unsichere und damit schwer kalkulierbare Elemente auskommt. Niemand könne vorhersagen, wie sich Löhne oder Lebenserwartungen entwickeln. Daher sollte man darauf auch kein System aufbauen. Die von ihm und seinen Vorstandskollegen Singer und Dirk Moosmüller im Jahr 2000 gegründete Auxilion AG bietet vor allem mittelständischen Unternehmen ein System der betrieblichen Altersvorsorge an, das nur auf den Einzahlungen und einem Garantiezins aufbaut. Mehr nicht. Hinzu kommt, dass das Geld nur im Unternehmen des Arbeitnehmers angelegt wird - und nicht an der Börse. Für das Unternehmen ist diese Altersvorsorge also ein Darlehen, eine Möglichkeit der Innenfinanzierung. "Dazu noch eine preiswerte", wie Singer sagt, denn ein Bankkredit kostet in der Regel mehr als 5 Prozent. In der Regel wird das für die spätere Altersvorsorge in einer von Auxilion verwalteten Pensionskasse zurückgelegte Geld mit 4,5 bis 5 Prozent verzinst. Zu diesem Zinssatz bleibt es also in dem das Rentenversprechen abgegebenen Unternehmen. Der Arbeitnehmer bekommt jedes Jahr einen Kontoauszug, in dem seine Einzahlungen und die Zinsen darauf wiedergegeben werden. Kurz vor seinem Eintritt in die Rente kann er sich entscheiden, ob er das Geld in einer Summe oder lieber als monatliche Rente ausgezahlt haben möchte. Die von der Auxilion verwaltete Altersvorsorge ist also nicht leistungsbezogen ("20 Prozent des letzten Nettoeinkommens"), sondern ist beitragsbezogen ("Einzahlung plus Garantiezins"). Das Unternehmen wird über den Stand der Pensionskasse informiert, in die tarifliche oder außertarifliche Lohnbestandteile, aber auch freiwillige Leistungen der Arbeitnehmer einfließen können. Weil das Geld im Unternehmen bleibt, ist diese Alterszusage für die Firma eine Form der Finanzierung, die ihre Kreditwürdigkeit gegenüber Banken erhöht.
Trotz der Vorteile für beide Seiten und trotz seiner Einfachheit sei das System zunächst dennoch sehr erklärungsbedürftig, geben Singer und Bangert zu. Man lasse sich mit der Einführung auch Zeit, um viele Mitarbeiter zu überzeugen. Das scheint zu gelingen. Im Durchschnitt nehmen 70 bis 80 Prozent der Mitarbeiter daran teil. Inzwischen habe sich das System auch herumgesprochen. Die Auxilion AG hat ihren Personalbestand auf 30 Mitarbeiter ausgebaut und ein neues Gebäude bezogen. Wachsen will man aber weiterhin nur organisch und nicht durch Zukauf. Dafür sehen sich Singer und Bangert gerade angesichts der Finanzkrise besser gewappnet als je zuvor. Da ihr System unabhängig vom Kapitalmarkt funktioniert, ist es in diesen Tagen sehr gefragt. Es kämen auch immer größere Unternehmen, stellen sie mit Freude fest. Überstürzen werden die Gesellschafter der Auxilion nichts. Ihr Jahresziel haben sie schon erreicht, wie sie versichern. Der Erfolg ist für sie Anlass, andere daran teilhaben zu lassen. Auxilion gehört zu den Gründungsmitgliedern der Strahlemann-Stiftung, der größten deutschen von mittelständischen Unternehmen gegründeten Stiftung.
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