vom 01.01.2006

Eine Betriebsrente ist billiger als jeder Bankkredit

von Georg Giersberg

Manchmal ist es eben doch besser, man kümmert sich selbst um die Dinge. "Auslagern" ist zwar zu einem Modewort in der Unternehmenswelt geworden. Alles, was nicht Kerngeschäft ist, gehöre ausgelagert, ist zum kaum noch hinterfragten Allgemeingut unter Managern geworden. Da bürsten die jungen Inhaber der Auxilion AG in Heppenheim an der Bergstraße schon einmal gegen den Strich. Sie empfehlen mittelständischen Unternehmen, sich der betrieblichen Altersversorgung anzunehmen, und zwar im eigenen Unternehmen.

"Damit würden sich viele mittelständische Unternehmen erstmals den Zinseszinseffekt für eigene Zwecke nutzbar machen", lockt Auxilion-Mitgründer Joachim Bangert. Bisher kenne ein Unternehmen diesen Effekt doch nur zu seinen Lasten in der Funktion des Schuldners gegenüber der Bank.

"Betriebliche Altersversorgung lohnt sich - und nicht nur für die Großunternehmen, sondern auch für den Mittelstand." Davon sind Joachim Bangert und Tycho Singer überzeugt. Bangert und Singer sind wie ihr Kollege Dirk Moosmüller Vorstandsmitglieder und Gesellschafter des Unternehmens Auxilion. Und weil ihr Konzept erklärungsbedürftig ist, schieben sie die Konkretisierung von "sich lohnen" gleich hinterher. "Das Unternehmen spart bis zu 15 Prozent seiner Personalkosten", versprechen sie. Das Unternehmen habe je 100 Mitarbeiter in 5 Jahren eine Million Euro mehr Liquidität für die Finanzierung zur Verfügung. Mit solchen Aussagen bewegen sie sich auf einem schmalen Grat. Ihr Angebot klingt einfach - und nimmt dennoch ein hohes Maß an Seriosität für sich in Anspruch.

Dieser Anspruch wird mit jedem neuen Kunden glaubwürdiger. Das Ziel, 100 Kunden zu haben, ist zwar im abgelaufenen Jahr nicht ganz erreicht worden. Auxilion arbeitet für 96 Kunden. Aber auch für den einhundertsten Kunden steht schon der Vertrag. Es ist nach Bangerts Angaben eine Firmengruppe mit vier Einzelgesellschaften, also für Auxilion ein Großauftrag.

Das Unternehmenskonzept ist wie so häufig sehr einfach. Ausgangspunkt war die demographische Entwicklung, "die sehr gut vorhersehbar ist". Es habe auf der Hand gelegen, daß man zur staatlichen Rente Alternativlösungen brauche. Als dann der Staat in Form der Riester-Rente dem einzelnen Arbeitnehmer einen Anspruch auf Entgeltumwandlung einräumte, sei es nur naheliegend gewesen, für den Mittelstand nach Alternativen zu den für die Großindustrie arbeitenden feudalen Versorgungswerken zu suchen.

Dabei sei man bei Auxilion nicht von einem fertigen Produkt ausgegangen wie einer Lebensversicherung oder einem Sparplan. Manche Frage, die in der Öffentlichkeit eine große Rolle gespielt hat wie die nach sogenannten Uni-Sex-Tarifen (gleicher Beitrag für Männer und Frauen), spiele für die betriebliche Altersvorsorge keine Rolle. "Fragen nach dem Geschlecht sind nur für Versicherungsprodukte wichtig, für unser Modell ist es egal, ob jemand männlichen oder weiblichen Geschlechts ist. In unserem System sind nur Laufzeit und Zins für die spätere Rente entscheidend."

Was Auxilion anbietet, ist eine Art Unternehmersparbuch. Das Unternehmen gewährt seinen Mitarbeitern eine betriebliche Altersvorsorge, kann aber mit dem Geld selbst arbeiten. Das für den Aufbau der Altersvorsorge vom Arbeitnehmer zur Verfügung gestellte Geld bleibt nämlich im Unternehmen. Das Unternehmen arbeitet damit. Das allein ist nicht ungewöhnlich. Um das Geld aber nicht einfach zu verfrühstücken und die Lasten der Zukunft zu überlassen, wird in der Regel eine betriebliche Pensionskasse gegründet. Diese Kasse, von deren Verwaltung Auxilion einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Einkommens bezieht, dient vor allem der korrekten und unternehmensunabhängigen Buchführung der Rentenansprüche der Arbeitnehmer. "Wir schalten keinen fremden Dritten dazwischen wie eine Versicherung, die einen großen Teil der Wertschöpfung aufzehrt", demonstriert Singer den Vorteil des Systems. Jetzt arbeitet auch Auxilion nicht umsonst. Aber die Gebühr richtet sich nach dem Erfolg. Auxilion nimmt von dem Geld, das dem Unternehmen durch Gehaltsumwandlung als Finanzierungsquelle erhalten bleibt, einen bestimmten Prozentsatz "Wir nehmen nur dann Geld, wenn auch das Unternehmen einen Vorteil davon hat", sagt Bangert und verweist auf Lebensversicherungen, bei denen die ersten drei Jahre nur für die Versicherung eingezahlt wird.

Bei der Auxilion-Lösung habe das Unternehmen sofort mehr Geld in der Kasse. Und der Arbeitnehmer sehe, wo sein Geld für den Aufbau einer Rente bleibt. Das Geld werde nicht fremd angelegt, sondern im eigenen Unternehmen. Das Unternehmen garantiert seinem Mitarbeiter dafür eine Garantieverzinsung, in der Regel 5 Prozent. "Das ist für das Unternehmen billiger als jeder Bankkredit und erhöht noch die Kreditwürdigkeit des Unternehmens", sagt Singer. Ein weiterer Vorteil sei, daß diese Form der Altersvorsorge nicht über Rückstellungen passiviert werden muß, also auch die Bilanzrelationen des Unternehmens verbessert. Damit steigt die Kreditwürdigkeit ein zweites Mal. Die Verpflichtungen, die das Unternehmen in Form künftiger Auszahlungen eingeht, werden "unter dem Strich" im Anhang zur Bilanz festgehalten. Außerdem werde über einen solchen Kredit der Mitarbeiter an "sein" Unternehmen gebunden.

Auch wenn es preiswert aussieht, für finanzschwache Unternehmen ist das dennoch keine Lösung, warnt Singer vor falschen Interessenten. Und wenn es der Firma doch einmal schlechtgeht in der Zukunft, sie sogar in die Insolvenz gerät? "Dann muß der Arbeitnehmer nicht verzweifeln. Seine Rentenansprüche schützt der Pensionssicherungsverein. Das ist die höchste derzeit mögliche Sicherheit für Rentenansprüche."

Bei den Kunden nehmen zwischen 70 und 80 Prozent der Beschäftigten an der betrieblichen Altersvorsorge teil. Das liegt nach Singers Einschätzung an zwei großen Vorteilen für den Arbeitnehmer. Zum einen bekommt er keine vage Zusage nach dem Motto "soundso viel Prozent des letzten Nettogehalts", wer weiß schon, wie hoch sein letztes Nettogehalt sein wird. Bei Auxilion heißt die Zusage "eingesetztes Kapital plus einer Garantieverzinsung". Auf einem jährlichen Konto kann der Arbeitnehmer jedes Jahr nachlesen, wieviel er eingezahlt hat und wie hoch sein Auszahlungsbetrag bei Eintritt des Rentenalters ist. Ob er das Geld dann auf einmal oder in Form von monatlichen Rentenbeiträgen ausgezahlt bekommen möchte, kann er noch bis zu sechs Monate vor dem Renteneintrittsalter entscheiden. Der zweite Vorteil für ihn ist, er kann seine Einzahlungen jederzeit individuell seiner persönlichen Finanzlage anpassen. Wenn er zwischendurch einmal wegen größerer Verpflichtungen wie Hausbau die Einzahlungen aussetzen will, so kann er dies jederzeit tun und zu jedem selbst bestimmbaren Zeitpunkt die Zahlungen auch wiederaufnehmen. Er bekommt ja sein eingesetztes Kapital einschließlich Verzinsung zurück.

© 2009: Frankfurter Allgemeine Zeitung. www.faz.net

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