vom 06.01.2010

Betriebsrente dient als Liquiditätspolster

von Jens Koenen

Gerade mittelständische Unternehmen profitieren von unorthodoxen Lösungen für die Belegschaften

Familienunternehmen und mittelständische Firmen stehen bei der Liquiditätssicherung vor wachsenden Herausforderungen. Traditionelle Lösungen und Wege, die Mittel im Unternehmen zu halten, reichen nicht mehr aus. Potenzial sehen Experten unter anderem bei den Personalkosten. "Viele Unternehmen machen jetzt in der Krise ihre Hausaufgaben und stellen fest, dass sie die unabhängige Betriebsrente noch gar nicht als Ressource etwa für die eigene Liquidität entdeckt haben", sagt Joachim Bangert, Mitgründer und Vorstand des Finanzdienstleisters Auxilion AG aus Heppenheim.

Auxilion, selbst ein eigentümergeführtes Unternehmen, hat vor einigen Jahren eine spezielle Betriebsrente entwickelt. Die Idee: Mitarbeiter verzichten auf einen Teil ihres Lohnes und stellen das Geld, vor allem die Zinsen, dem Unternehmen als Liquidität zur Verfügung. Die Firma investiert die Mittel und finanziert darüber die spätere Altersvorsorge der Belegschaft. Liquiditätszuwächse um bis zu 25 Prozent der gesamten Personalkosten des jeweiligen Unternehmens verspricht das Management von Auxilion.

In den ersten Jahren nach Gründung des Unternehmens, noch vielfach wegen der auf den ersten Blick verrückt klingenden Idee belächelt, hat Auxilion mittlerweile viele mittelständische und eigentümergeführte Unternehmen für das Modell gewinnen können. Der Erfolg überrascht nicht, ermöglicht das System doch am Ende kleineren Unternehmen das, was Konzerne wie etwa Daimler mit eigener Kapazität und eigenem Know-how bereits vor längerer Zeit auf die Beine gestellt haben: eine Art persönliches Sparbuch für die Rente.

"Die Nachfrage steigt definitiv. Aber die Umsetzung war für uns und potenzielle Kunden in der aktuellen Krise nicht einfach und nicht in jedem Fall möglich", beschreibt Bangert die aktuelle Situation. Das System sei kein Rettungsanker und nicht für Unternehmen geeignet, die sich bereits in einer finanziellen Schieflage befänden. Wer allerdings das spezielle Betriebsrentenmodell vor der Krise eingeführt habe, sei bislang gestärkt durch diese gekommen. "Man musste zum Beispiel gar keine oder deutlich weniger Kurzarbeit einführen als ohne das System", so Bangert.

Zwar kann auch damit letztlich eine Insolvenz nicht verhindert werden. Aber der Anspruch der Mitarbeiter bleibt in jedem Fall erhalten, da der Pensionssicherungsverein (PSV) der gesetzlich festgelegte Schutzverein auch für diese Form der Betriebsrente ist. "Wir haben fünf Mandate durch Insolvenz verloren. In diesen Fällen ist der PSV eingesprungen, genau wie geplant", berichtet Bangert. Gleichzeitig kann das Rentenmodell auch als Mittel zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung genutzt werden.

"Das gilt gerade für Familienunternehmen, die langfristig planen und genau wissen, welches Problem wegen der demographischen Entwicklung beim Thema Fachkräfte in den nächsten zehn Jahren auf sie zukommen wird", so Bangert.

Experten etwa der Deutschen Bank haben in einer aktuellen Studie gerade erst bescheinigt, dass das Thema Liquiditätsmanagement für mittelständische Unternehmen die größte Herausforderung, aber zugleich auch die größte Chance ist. Viele der kleineren Firmen hätten hier aber noch erheblichen Nachholbedarf.

Hinzu kommen laut Bangert neue Vorschriften etwa bei der Bilanzierung von Pensionslasten, die nach dem Bilanzmodernisierungsgesetz (BiMog) deutlich anspruchsvoller werde. Die unabhängige Betriebsrente sei hier ein ideales Vehikel. "Dabei können auch alte Lösungen integriert werden, was derzeit bei vielen Unternehmen ein großes Thema ist, da das Bilanzmodernisierungsgesetz ja etwa die Pensionslasten neu behandelt", so Bangert.

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