von Dirk Pohlmann
Nein, ein Start-Up sind sie nicht mehr. Jung zwar, und sie haben ihr gemeinsames Unternehmen auch erst im Boomjahr 2000 auf die Beine gestellt. Aber anders als bei den klassischen Jungunternehmen hat sich die Heppenheimer Auxilion AG nicht nur in den harten Jahren seit 2001 bewährt, sondern ist nach wie vor gut im Geschäft auf einem der absoluten Wachstumsmärkte dieser Republik: Der betrieblichen Altersvorsorge. Hinter Auxilion stecken ursprünglich drei Namen: Tycho Singer, Joachim Bangert und Dirk Moosmüller, alle Mitte 30 und alle aus Südhessen, zwei Betriebswirte und ein Finanzmathematiker. Fremdes Geld steckt nicht im Unternehmen, dafür jede Menge Arbeit, Zeit und Gehirnschmalz: „Wir haben alles selbst finanziert, um unabhängig zu bleiben“, erklärt Singer. Und auch jetzt noch fließen die Gewinne wieder in die Firma, um das Wachstum zu finanzieren. Inzwischen ist die Zahl der Mitarbeiter auf rund 30 angestiegen, Tendenz weiter steigend. Das bindet Kapital und Zeit: „Jeder Berater durchläuft ein Trainee-Programm von einem halben Jahr, damit er genau weiß, was wir verkaufen und seine Mandanten umfassend beraten kann“, erklärt Singer. Dass eine solche intensive Einarbeitung unerlässlich ist, wird spätestens dann klar, wenn Singer und Bangert ihr Geschäft erläutern. In den Wettbewerb mit den Versicherungen, die die betriebliche Altersvorsorge ebenfalls mehr und mehr für sich entdecken, geht Auxilion mit einem eigenen Modell, das eigentlich sehr einfach und genial klingt: Der Arbeitnehmer verzichtet regelmäßig auf einen Teil seines Gehaltes und zahlt dieses Geld auf ein „Unternehmenssparbuch“ ein. Der Arbeitgeber kann sich dort bedienen und mit dem Geld arbeiten. Scheidet der Arbeitnehmer aus dem Arbeitsleben aus, also etwa mit Beginn der Rente, erhält er sein angespartes Kapital vom Arbeitgeber ausbezahlt – plus Zinsen. Der Zinssatz ist dabei garantiert. Sämtliche Kosten für das Verfahren trägt der Arbeitgeber, so dass der Arbeitnehmer vom ersten Euro an, den er einzahlt, ein Guthaben hat, anders als etwa bei vielen kapitalbildenden Lebensversicherungen. Doch so einfach, wie es klingt, ist in Deutschland nichts. So auch beim „Auxilion- System“: Damit diese Form der betrieblichen Altersvorsorge auch staatlich gefördert wird, muss sie in das Raster der gesetzlichen Vorschriften passen. Dort sind fünf verschiedene „Durchführungswege“ für die betriebliche Altersvorsorge vorgesehen. „Für unsere Zwecke bot sich nur das Prinzip der Unterstützungskasse an“, erklärt Singer. In diese Kasse, die von Auxilion als eingetragener Verein betrieben wird, zahlt der Arbeitgeber bis zu 25 Prozent des angesparten Geldes ein. Diese Zahlung gilt als Betriebsausgabe und senkt sofort die Steuern. Im Gegenzug leiht die Kasse dem Unternehmen das Geld zurück – der Arbeitgeber kann mit dem zusätzlichen Kapital arbeiten. Auch bilanztechnisch bietet dieses Prinzip Vorteile: Da keine Pensionsrückstellungen anfallen, wird die Bilanz der Firma nicht belastet - in Zeiten, in denen Banken immer vorsichtiger mit Krediten sind, ein nicht zu unterschätzender Vorteil. So einleuchtend und genial die Idee nach einer intensiven Erklärung aussieht – es steckt viel Arbeit und Zeit darin, das Prin- zip, das laut Singer in der Großindustrie bereits von vielen Unternehmen angewandt wird, für den Mittelstand zugänglich und bezahlbar zu machen. „Das war ein langer Entwicklungsprozess“, blickt der Vorstand zurück. „Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind auch erst seit 2001 so, dass dieses Prinzip funktioniert.“ Zwei Jahre später gingen die Experten von Auxilion an den Markt – und stießen auf offene Türen und Ohren. Inzwischen haben 57 Firmen bundesweit das System eingeführt, das Interesse ist weiter groß. Einen Pferdefuß habe bislang, trotz zahlreicher intensiver Prüfungen, noch kein Steuerexperte oder Wirtschaftsprüfer finden können, ist Joachim Bangert stolz auf die saubere Vorbereitungsarbeit. Der Wirtschaftsprüfer Tim Färber aus Wentorf bei Hamburg bestätigt: „Das System nutzt die Gegebenheiten der Gesetze aus, ist rechtlich sauber und ergibt auch wirtschaftlich einen Sinn.“ Dennoch: Die „Eier legende Wollmilchsau“ haben die Firmengründer nach eigenem Geständnis nicht gefunden. „Das Prinzip ist geeignet für Mittelständler, die ihr Controlling im Griff haben, innovativ und kerngesund finanziert sind“, schränkt Singer ein. Als „Rettungsanker“ für Firmen in Schieflage ist es nicht gedacht. Die Personalkosten lassen sich nach Berechnung Singers durch das Auxilion-System um höchstens 10 bis 15 Prozent senken – nicht genug für einen Mittelständler, der eine Sanierung braucht. Außerdem müssen die Geldströme genau berechnet werden, denn irgendwann kommt es ja auch zur Auszahlung an die Mitarbeiter. „Damit es da keine Probleme gibt, müssen wir uns unsere Kunden auch genau anschauen“, meint Singer.
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